Devon Halfnight Leflufy

Devon H. Leflufy tut einfach so, als hätten die Siebziger- und die Neunzigerjahre zur selben Zeit statt- gefunden: heute

Fotos Quentin De Wispelaere
Text Fabian Hart

Devon Halfnight Leflufy heißt wirklich so, aber der Kanadier trägt mehr als einen exzentrischen Namen. Seine eigenen Klamotten zum Beispiel. Vorzugsweise in Antwerpen, was Sinn macht, weil er dort auch lebt. Letztes Jahr hat er an der Royal Academy of Fine Arts seinen Master gemacht, aber seine Abschlussarbeit konnte man schon vor Zeugnisvergabe bei Opening Ceremony kaufen.

An dieser Stelle könnte jetzt stehen, was in der Zwischenzeit alles passiert ist: Name Dropping, Karrieregefasel, höchste Töne. Aber das würde die Absprungrate steigern und die Verweildauer verkürzen und ich muss hier auch ans Mediakit denken. Deshalb nur die zwei aktuellsten Ereignisse: der 30-Jährige ist einer der 26 Nominierten aus über 1000 Bewerbern des LVMH Prize 2015, dem Förderpreis für junge Designer des Markengiganten Louis Vuitton / Moet Hennesy und hat gerade die Bilder seiner diesjhährigen Herbstkollektion veröffentlicht.

Devon H. Leflufy entführt dafür die Siebziger- in die Neunzigerjahre und entwirft Double Retro, einen Rückgriff auf zwei Jahrzehnte, die er zeitgleich über die Gegenwart layert. Tribals zwischen Samt, Farben wie aus Prilblumen auf schwarzem Lack, Pullunder zu eng anliegendem 1990er-Halsschmuck, Trainingsanzüge aus Cord, Hosen mit Schlag – sowohl Siebzigerjahre-Phänomen als auch Teil der Ravegear der Neunzigerjahre. Dazwischen Muster, die an Formen des russischen Suprematismus erinnern, Malewitsch like. Leflufy setzt sie als Patchwork auf einem Maxi-Mantel ein.

Seine Kollektion zitiert dabei weder Loveparade noch Freie Liebe. Sie ist ein schonungsloser Blick auf die dunklen Seiten der positiven Vorstellungen von Zukunft beider Jahrzehnte – von grüner Energie bis neue Technologien. So wirkt selbst das Orange düster und nicht fröhlich.

Viele seiner Kombis erinnern auch an Looks der Jugendliche Berlins zur Zeit der Wende, als Techno ein Erlebnis von Freiheit war, Ausdruck von Selbstbestimmtheit und die oft nicht geklärten Besitzverhältnisse leerstehender Industriehallen für Raves genutzt wurden. Eine Suche nach Ablenkung und neuer Identität gleichermaßen.

Leflufys Herbst ist ein harter Trip zurück nach vorn und egal wer, jemand muss ihm für diese Kleidung einen Soundtrack schreiben.

 

Thanks to Kristopher Arden-Houser

TAGS

SHARING IS CARING

NOCH MEHR HART