Die Arier

Text Fabian Hart

Rechtsradikale wissen, dass sie krank sind. Warum sonst wünschen sie sich heil? Mo Asumang jedenfalls empfiehlt ihnen auch gute Besserung. Die Produzentin, Regisseurin und Moderatorin hat einen Doku-Film gedreht, der sich mit einer Nazi-Lieblingsvokabel beschäftigt: Arier. Aber was ist ein Arier? Was macht ihn aus? Deutsch sein? Blaue Augen, blonde Haare? Viel mehr gibt die Assoziationskette nicht her, kaum einer weiß um die wahre Herkunft und Etymologie. Nicht einmal die Nazis.

Also hat sich Mo auf die Reise gemacht. Sie ist in den Osten gefahren, zu einer NPD-Kundgebung, hat sich in den USA mit Mitgliedern des Ku-Klux-Clans getroffen, flog in den Iran auf der Suche nach den wahren Ariern, bat Wissenschaftler, Aussteiger, Mitschwimmer, Anführer und andere Experten zum Gespräch. Dass sie selbst eine Tochter zweier Menschen ist, die nicht dieselbe Hautfarbe haben, hat es ihr nicht unbedingt leicht gemacht. Antworten hat sie dennoch gefunden, vielleicht auch gerade deswegen. Und sie hat es geschafft, allen auf Augenhöhe zu begegnen, mutig und präzise zu bleiben, menschlich, verständnisvoll, fast fürsorglich. Ihre Angst, Ohnmacht und Hilflosigkeit hat sie in diesen Momenten überwunden. Als sie Springerstiefel der Marke Aryan Wear in der Hand hält, mit denen jemand zu Tode getreten wurde. Als sie vor dem Typen in weißer Ku-Klux-Kutte steht und ihm mehr Selbstbewusstsein wünscht. In einem blauen Trägerkleidchen über einer Jeans. Fest steht: deutsch ist nicht arisch und arisch ist nicht rassistisch. Das mag viele Nazis etwas verstören, aber wenn Frau Asumang damit nur eine Handvoll erreicht, ihre Ideologien zu überdenken und andere davor bewahrt, diese an sich heranzulassen, hat sie das mit dem heile machen tatsächlich geschafft. Mehr in der ZDF Mediathek


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