Is Bold the new Black?

Trauen wir uns wirklich zu tragen, wonach wir uns fühlen? Meine Stilfrage zur Bread & Butter 2017

Text Fabian Hart
Fotos Erik Cesla

Der folgende Text und alle Bilder dieses Beitrags entstanden in Zusammenarbeit mit Zalando

An einem Wochenende Extremsportler sein, Aktivist, Rentner, Geschäftsmann und freizügiges Instagram-Modell ist mein täglich Brot und Butter, eine easy Stilübung. Was wir tragen, hat nicht länger etwas mit unserem Job, Alter, Talent oder der politischen Haltung zu tun – es beschreibt eher einen Current Mood. Die Dresscodes sind gefallen, aber trauen wir uns zu tragen, wonach wir uns wirklich fühlen?

 

„Come As You Are“ ist eine Kleiderordnung, die sehr wohl ihre Regeln hat. Sexy, ironisch, politisch, abgefuckt, anti – unsere Stimmungen sind klar an Erwartungshaltungen gebunden wie sie auszusehen haben. Dabei helfen nicht nur offensichtliche Statement-Ts. Designer sind neben Mode- vor allem Stimmungsmacher unserer Zeit, sie sind die Marke, deren Image sie verkaufen. Ob Demna Gvasalias Vetements oder Philipp Plein, also jemand, der der Mode scheinbar ihr Prestige nimmt und jemand, für den die Zurschaustellung von Luxus alles ist.

 

Die nur vermeintliche zwangfreie Mode hat aber noch mehr Restriktionen. Als Typ in der U-Bahn Sport Tights zu tragen oder in einem Crop Top auszugehen zum Beispiel. Beide Teile sind in diesem Sommer zu meiner Uniform geworden und obwohl der Polyester-Elasthan-Mix mein komfortabelstes Outfit ist, mache ich es mir darin ganz schön unbequem. Ich bin ein Störenfried, weil ich in Tights mit der Vorherrschaft männlicher Kleiderordnung breche und hegemoniale Männlichkeit und Maskulinität gefährde.
In den ersten Wochen hat es mich mein ganzes Selbstbewusstein gekostet, mit einer engen Sporthose in den Bus zu steigen, obwohl ich tatsächlich auf dem Weg zum Sport war. In welcher Gefühlslage und in welch glaubwürdigem Kontext auch immer, Leggings und Crop Tops werden von jungen Frauen erwartet, aber für Jungs ist es noch immer untypisch, sich an Outfits des „schwachen Geschlechts“ zu orientieren. Scheinbar ist es also völlig okay alle(s) zu sein, was du sein möchtest, solange du die Geschichte von Rosa und Blau aufrecht erhälst.
Meine aktuelle Garderobenempfehlung ist deshalb, die Codes der scheinbar derzeit aktuellen Kleiderunordnung als Ordnung zu enttarnen und neu zu sortieren.

 

Anziehen, wonach du dich wirklich fühlst, bedeutet in vielen Fällen noch immer mutig sein zu müssen, zu (er)tragen was dir gefällt und nicht in ein Outfit zu wechseln, nur weil es sozial bequemer ist.

 

 

 

Vom ersten bis zum dritten September bespricht die Bread & Butter Themen wie dieses, etwa bei Talks mit Designerin und Aktivistin Dame Vivienne Westwood und den Experimentalisten Viktor & Rolf. Die B&&B by Zalando soll ein Festival sein für neue Impulse, nicht nur aus Bereichen der Mode, sondern auch der Food-Szene und Musik. Während Konzerten von Musikern wie Yung Hurn und seinen österreichischen Kollegen von Bilderbuch, auf Parties von INDIE Mag, einem der ersten Independent Magazinen, in progressiven Küchen wie der mexikanisch-japanische Fusion Food der Hamburger SUBU und auf Fashion Shows und anderen Aktionen von Brands wie Nike, Camper und Fila. Anders als die oft elitären Fashion Weeks, ist die B&&B ein VIP-freies Festival, das für jeden zugänglich ist, der sich ein Ticket kauft. Mehr Infos hier.

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