Feinheimisch

Paris, Berlin und NYC sind erwartbare Reiseziele für einen Modeblogger. Eine Pressereise nach Kiel schien mir der richtige Impuls zur rechten Zeit

Fotos Anna Wegelin
Text Fabian Hart

Paris. London. New York. Die sicheren Kapitale der Mode sind erwartbare Ziele für einen Fashion Blogger, das sind sie wirklich. Und auch ihre nischigen Partner, etwa Antwerpen und Kopenhagen: durchschaubare Backgrounds. In einer Zeit, in der Individualität zum High-Street-Look verkommen ist und das offensichtlich Modische nicht zwangsläufig mehr modern, sucht sich die Mode neue Kontexte.

Eine Pressereise nach Kiel schien mir der richtige Impuls zur rechten Zeit. Hier gibt es keine High-Streets, sondern einen innenstädtischen Einkaufsbereich mit Fußgängerzone und der Starbucks-Filiale am Berliner Platz kann man nicht glauben. Einige Geschäfte stehen leer, manche sind geblieben: Teestube, Souvenirgeschäfte, Damenoberbekleidung mit Schwerpunkt Funktionswaren. Alle anderen wollen auch nicht hip sein.

Obwohl Kiel voll von jungen Menschen ist, da Unistadt, ist das Stadtbild alles andere als trendy und damit irgendwie zeitgemäß. Kiel würde hippen New Yorkern zeigen, wie Normcore wirklich funktioniert und sie im Moment der Einsicht, hier keinen Stylern, sondern echten Menschen zu begegnen, von Trenddrängen befreien – alle Ausprägungen der Mode betreffend. Mit Slow Food, Buy Local und anderen Trendvokabeln darf man den Kielern übrigens auch nicht kommen, sie haben ein eigenes Wort erfunden.

Feinheimisch ist ein Netzwerk regionaler Manufakturen, Gastronomen und agrarischen Erzeugern aus Schleswig-Holstein. Gründungsmitglied ist der Hotelier Rainer Birke, der meine Office-Kollegin und Food-Spezialistin Anna und mich an die Kieler Förde einlud und uns oceanBASIS vorstellte, ein Start-Up für ozeanische Naturprodukte, bio-zertifiziert, nachhaltig. Dass das sofort nach PR-Broschüre klingt ist ganz schön tragisch. Zu verdorben sind wir von diesen Worten, die man immer wieder als Werbefläche missbraucht. Doch hinter oceanBASIS und ihrer Pflegeserie oceanWELL steckt keine Marketingabteilung, nicht L’Oréal und auch kein anderer Konzern. Sie haben noch nicht einmal ein Testimonial.

oceanWELL wird von Meeresbiologen, Dermatologen und anderen wissenschaftlich Arbeitenden entwickelt, die mit ihren Forschungsergebnissen verständlicherweise Geld verdienen möchten und sich nicht der Beauty-Branche wegen für Kosmetik entschieden haben, sondern aufgrund der pflegenden Eigenschaften ihrer Laminaria-Algen. Ein Kilogramm der Wasserpflanzen tragen die Inhaltsstoffe aus 10.000 Litern Meerwasser in sich. Nur eine kontrollierte Wasser-Landwirtschaft kann garantieren, dass Schadstoffe nicht dazu zählen. Keine Ahnung, woher die Algen kommen, die ich bisher morgens in Form von Chlorella-Pillen schluckte. Ich hab sie längst weggeschmissen.

An dieser Stelle möchte ich auch über unsere Mini-Expedition schreiben. oceanBASIS züchtet vor ihren Headquarters an der Kieler Förde auch Miesmuscheln, deren Aufzucht im biologischen Kreislauf parallel zu den Algen besonders gut gelingt. Dies Kieler Fördemuscheln stehen als regionale Stars auf der Speisekarte des Hotel-Restaurants von Rainer Birke und oceanWELL wird als  Thalasso-Schwerpunkt im Spa des Hotels angeboten.

Den folgenden Bildern könnt ihr übrigens auch glauben. Wir haben die Muscheln selbst sortiert und genau die später auch gegessen. Gecremt und massiert wurden wir auch und dabei sind wir, vom Ostseewind ermattet, in meerestiefe Träume gefallen, in denen Algen in Unterwasserboutiquen verkauft wurden. Als wir aufwachten, waren wir schon wieder unterwegs in Richtung Hamburg. Reality Check: die besten Trends sind überhaupt keine.

TAGS

SHARING IS CARING

NOCH MEHR HART