Harte Woche 

Zurück zum Wort finden und #TGIF den Rücken kehren

Text Fabian Hart
Foto Anna Wegelin

Machen wir uns nichts vor: die Woche beginnt am Freitag. Also kurz vor ihrem Ende und schon drei Tage später sind wir wieder „unter der Woche“. Das klingt zurecht devot, wortwörtlich. Denn du kannst noch so freigeistig und -beruflich sein – wir unterliegen diesem Rythmus. An einem Montagmorgen nicht geschäftig zu sein oder zumindest so auszusehen, ist eine gewagte Stilübung, an der auch ich immer wieder scheitere. Denn wir sind auf diesen Kalender konditioniert, dem Montag verpflichtet, denn Leistung stärkt den Selbstwert. Ohne #MondayMood haben wir uns ein #TGIF nicht verdient – Ausnahmen sind Urlauber und Berliner. Alle anderen sind sich der Woche schuldig und den Kollegen, die da auch durch müssen. Nicht zufällig liegt die etymologische Bedeuteung von Kalender im lateinischen „calendarium“, dem Schuldbuch.

Mit #friyay und #tgif wird der Freitag vor allem in Social Media als Befreier von der Woche glorifiziert. Also selbst auf Plattformen, in denen Alltag keinen Platz findet, weil unlikeable, sticht der Freitag-Content heraus und wird zum schönsten #tag.

Heute ist Freitag. Er kann also starten, der Teil der Woche, an dem wir uns einheitlich auf ihr gutes Ende einigen, der Freizeit legitimiert, aber eben auch limitiert. Dieser Freitag ist aber auch Start einer neuen Rubrik. „Harte Woche“ sollen Freitagstexte sein, die dem Wochentrott zu entkommen versuchen, mit denen ich kein #tgif feiere oder mich dem Montagsblues winde. „Harte Woche“ soll Rückblick mit Aussicht sein und eine neue Zuwendung zum Schreiben.

 

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