Salzwasser

Schweiß, Tränen, Meer: Dreisalzigkeit auf Mykonos

Foto Peter Lux
Text Fabian Hart

Die Lösung für alles ist Salzwasser: Schweiß, Tränen oder Meer. Genau so hat das die dänische Schriftstellerin Karen Blixen einmal gesagt. In den 1930ern schrieb sie den Roman „Jenseits von Afrika“, der von ihren Abenteuern als Kaffeefarmerin in Kenia erzählt und fünfzig Jahre später mit Meryl Streep verfilmt wurde. Ein Abenteuer war sicherlich auch Blixens Syphilis-Erkrankung, die Ärzte mit Brom therapierten. Ihr Leben lang litt sie unter der Schwermetallvergiftung.

Im Urlaub musste ich immer wieder an Frau Blixen denken. Auf Mykonos kann man sich auch echt alles holen. Strandliegen zum Tagespreis eines Mietwagens. Vertigo vom ständigen Wind. Oder Nachhilfe in Cher. Kennt ihr D’ove L’Amore? Der Song läuft überall auf der Insel, nicht nur in tacky Gay Bars, und immer taucht irgendwo eine Showtreppe auf, weiß getüncht, Kykladen-Style.

Was man sich auf Mykonos sonst noch holen kann? Schürfwunden und andere blasen in Buchten hinter Stränden am Meer. So fiel mir Karen Blixen wieder ein und vor allem ihre Erkenntnis, Salzwasser sei die Lösung für alles.

Am Abend eines Tages am Meer war Vollmond und wir saßen im „Jackie O‘„, einem Beach Club, und das sauteure „Full Moon Dinner“ war brotlose Kunst. Ich trug’s mit Fassung und klobigen Versace Sandalen und über uns hing ein Hefekloß am Himmel, der gar nicht aufhörte aufzugehen, er wurde so hell und schwer, dass er alle Sterne verdrängte und vielleicht lag es an meiner Sehnsucht nach Brot, oder daran, dass sie Maria Callas spielten, den ersten Akt aus Norma, „Casta Diva“, was ich natürlich nicht wusste, aber ein kluger Folger auf meine Instagram Story antwortete. Vielleicht war ich auch sentimental von den Drinks, hatte einen Mini-Sonnenstich oder Schwindel vom Wind der Vortage, vielleicht lag es auch an meinem schweren Herzen, der Liebe, vielleicht an all diesen Dingen, die mich weg vom Tisch runter ans Meer führten. Da fiel mir das Wasser aus den Augen, einfach so, kleine, weiche Steine, salzig wie die Ägäis vor mir, die kurz vor den Sandalen stoppte, eine respektvolle Gebärde vor meiner Sentimentalität. Es war ein sehr würdevolles Weinen. Ohne Schluchzen oder Wimmern, ohne Nase laufen oder hochziehen. Es hat mich einfach so überfallen, völlig überfällig. Über mir sonnte der Mond und so blieb ich noch ein paar Minuten in dieser Postkarte stehen und wartete darauf, mich freier, gelöster, leichter, geheilter zu fühlen und ließ es laufen, ganz allein, bis ich merkte, dass ich es nicht war. An den Klippen klatschten zwei Körper ineinander, zwei Schatten in ausreichender Ferne und ich war für die auch nur einer. Jeder war mit seinem Salz beschäftigt und keine Ahnung, ob das nach Karen Blixen ein gutes Ergebnis war, aber diese Trinity aus Schweiß, Meer und Tränen war ein perfekter Moment Dreisalzigkeit.

 

 

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