Lyrics Performance, Interaktion: Kendrick Lamar weiß was er tut. Und sein Publikum im Hamburger "Übel und Gefährlich"?
Es ist Samstagabend, 21:00 Uhr und ich stehe im Hamburger “Übel & Gefährlich”, einem Veranstaltungsort im Bunker auf dem Heiligengeistfeld. Junge Menschen kiffen, andere suchen nach Luftschutz. Das Venue ist voll, die Besucher auch. Auf der Bühne: Kendrick Lamar. Seine Lyrics kommen ohne “Niggaz und Hoes” aus, seine Performance ohne Schrittgetatsche, er interagiert, verlässt die Bühne, wird Teil der Masse davor, ist mit ihr auf einem Level. Ja, er weiß, was er tut. Das Publikum nicht.
Die meisten üben sich darin, ihre Rap-Credibility textil zu performen und machen dabei alles falsch. Sie sehen nach Carhartt-Mützen-Mottoparty aus und nach “Comme des Fuckdown”-Schulfasching. Lamar selbst trägt eine schmale Dark Denim auf Schritt-Höhe, ein schwarzes T und das weiße Handtuch über dem Kopf. Er ist zu real für abgetragene Ironie.
Nach eineinhalb Stunden verlässt er die Bühne, ruft: “I will always come back to you mothafuckers, I’m one of you people!” Also tauschen die Konzertgänger an der Garderobe Marke gegen Steppjacke und fahren im Taxi Richtung Eppendorf. Was sie nicht wissen: Er ist es nicht.