Neue Jungs

Fünf junge Männermodemarken, die in den nächsten Saisons eine tragende Rolle spielen werden

Text Tim Heyduck
Auswahl Tim Heyduck / Fabian Hart
Fotos Valter Törsleff für Lazoschmidl,
Yannis Vlamos für Rory Parnell Mooney,
Storm Ascher für Rowan,
Filippo Maria für Lee Roach

Lazoschmidl Final 1

Lazoschmidl Final 2
LAZOSCHMIDL – die Readymade Men:
Würde man das schwedisch-deutsche Konzeptlabel Lazoschmidl einzuordnen versuchen, dann wohl irgendwo zwischen Theaterfundus und Queer Fashion. Obwohl Andreas Schmidl und Josef Lazo ihre erst zwei Saisons junge Marke der Männermode zuordnen, sind ihre Looks dezidiert stereotypenfrei und garaniert körperbetont. Das zeigt sich durch Stoffe wie Samt, Seide oder Lurex, die eigentlich weiblich besetzt sind oder von Fetisch inspirierte Elemente wie Gurte, die Hosen halten oder nach Bondage um die Brust geschnürt werden – wie etwa in der Frühjahr/Sommer-2016-Kollektion. Ein Block Butter aus Pailletten auf Turtlenecks, Pailletten im Schritt, Chaps aus beschichtetem Samt – Der Kunstbegriff des Readymade kann auf viele Kollektionsteile des Labels angewandt werden.

 

 

Rory Parnell Mooney Final 1

Rory Parnell Final 2


Rory Parnell Mooney – der Gewandmeister
Rory Parnell Mooney
s Entwürfe schlagen jede Menge Wellen und Falten, ganz untypisch für Männermode: ausladende, plissierte Hosen, kuttige Oberteile, überschnittene Windbreaker, Röcke, geschlitzt als seien sie Schürzen. Klerikale Gewänder oder die dunklen Uniformen radikaler Demonstranten dienen Parnell Mooney seit seiner ersten Kollektion als Inspirationsquelle. Seine aktuelle und erst dritte Show nach Abschluss des Masters in Menswear Design, zeigte er auf der London Collections: Men, unterstützt durch Fashion East und Topman. Auch hier scheint die Entscheidung zwischen Riotboy und Preacherman noch nicht gefallen.

 

 

Brian Rowan Final 1

Brian Rowan Final 2

 

Brian Rowan – der Misfit:
Wer bereits vor zehn Jahren mit strähnigem, schwarzen Pony und „My Chemical Romance„-T-Shirt vorm Bildschirm saß und seine Myspace-Seite mit Tim Burton und anderem dunklen Content vollbloggte, darf sich nun endlich mal freuen, bei einem Trend ganz vorne mit dabei gewesen zu sein. Emo Punk war lange die einzige Teenie-Subkultur, die noch nicht ins Neonlicht der Mode gezerrt wurde – bis jetzt. „Deathwish“ heißt die erste Kollektion von Rowan, dem Label des in L.A. lebenden Designers Brian Rowan. Die modische Aufarbeitung seiner Nullerjahre-Jugend als „Mall Goth“ funktioniert erstaunlich ironiefrei. Disney-Motive, Querstreifen, überprominente Nähte und Löcher in Jeans, die man mit 15 selbst nicht schlechter hätte schneiden können. Rowans unprofessionell geschminkte Nichtmodels performen diese Looks in ihrem scheinbar natürlichen Lebensraum: einem Skatepark in Downtown L.A.. Konfrontiert mit den überdimensionalen Sicherheitsnadeln, gebleachten Vans und aufgeschlagenen Knien der eigenen Emo-Jugend, fängt man sich schnell an zu fragen: ist das Therapie, Erinnerungsoptimismus oder heute einfach noch genau so cool wie damals?

 

 

Itokawa Film Final

Itokawa Film Final 2
Itokawa Film – der Smombie:
Wäre Itokawa Film tatsächlich ein Film, wäre das Setting der Apple-Totalitarismus einer gar nicht mal so fernen Zukunft und die Story eine zunächst völlig unromantische Jugendromanze, die vielleicht bei einem „Oculus Rift“-Dating startet. Auch wenn wir bei der Herbst/Winter-2015/16-Kollektionsübersicht diesen Film schieben – Itokawa Film selbst ist gar keiner, sondern ein interdisziplinäres Modelabel aus London, gegründet 2013 von den Kreativdirektoren Samuel Membery und James Ari King. Ihre Herbst/Winter-15/16-Kollektion scheint so sleek und augenscheinlich anstrengungslos wie das Swipen der Generation iPhone. Das Display-Schwarz dominiert die modische Zukunftsvision der Engländer, die auf Tech-Wear-Materialien spekulieren und in perfekter Analogie zu jedermanns Lieblingsmarke auf unverkennbare Silhouetten setzen. So casual clean, dass man vorm Anziehen erstmal eine Woche detoxen möchte.

 

 

 

Lee Roch Final 1-2
Lee Roach Final 2

Lee Roach – der Shapehifter:
Bei den Shows von Lee Roach läuft alles Richtung Mitte. Seit seiner ersten Kollektion 2013 schnürt der Engländer seine Idee von Silhouette in und um Bauchnabelhöhe des Trägers. Nylonbänder ersetzten Ledergürtel und boten Stoff für harnessartige Taschen, die über Schultern und an Hüften befestigt werden. Seit seiner ersten Kollektion dekonstruiert der Brite Klassiker der Männermode – fünf Saisons später bleibt nur noch eine vage Idee von Sakko und Hemd, sie haben sich mittlerweile zu Funktionswaren geshiftet, wie etwa Sprunganzüge. Nach Abschluss seines Studiums am Central Saint Martins und vor Gründung seines eigenen Labels, arbeitete Roach unter anderem beim Traditionsmaßschneider Kilgour und dem Designduo Meadham Kirchhoff.

Tim Heyduck

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