Pariser Erkenntnisse

Pariser Erkenntnis: Auch Champagner wird zu Pisse und die Geschichte zwischen Rose und Kotze ist schnell erzählt. Herzen brechen eben

Wenn du auf dem Eiffelturm stehst und vor dir die Stadt liegt, erkennst du sie kaum wieder. Paris wird zur Sandsteinwüste und selbst ihr größtes Klischee, la tour Eiffel, verschwindet unter dir. Die andere Seite der Stadt zeigt sich aber nicht nur von oben. Paris ist eine Postkarte mit erwartbaren Motiven, dazwischen dunkle Ecken, Schand und Kehrseiten. Wo Licht, da Schatten, wo Liebe, da Schmerz, wo Menschen, da Scheiße. Du wirst in der Metro überfallen, völlig offensichtlich, oder geschickt eingekeilt von jungen Mädchen, die so tun, als sammelten sie Unterschriften für Petitionen. Vor Brasserien und Cafés und Bistros, eben dort, wo das Leben stattfindet. Hier trinken Menschen Rotwein unter Heizpilzen und Markisen, auch im Winter, die anderen liegen daneben, auf verlausten Kingsize-Matratzen. Hier sind Obdachlose keine Bettler, sie leben einfach draußen. Auf denselben Trottoirs, auf denen Typen Baguettes zu Rendevous tragen, so als wären es Männerhandtaschen. Alle haben hier Rendezvous. Weil das so verbunden klingt, bedeutungsvoll und exklusiv, selbst wenn es nur ein Fickdate ist. In Paris hat jeder einen Partner. Manche bleiben Stunden, andere länger. Aber jede Flasche ist irgendwann einmal ausgetrunken. Auch Champagner wird zu Pisse und die Geschichte zwischen Rose und Kotze ist schnell erzählt. Herzen brechen eben. Auch in Paris. Nein, gerade dort.

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