Rückkehrer

Joop! sind zurück in ihre Hamburger Villa. Zeit, sich da mal umzuziehen

Kon/Text Fabian Hart
Fotografie Hedi Xandt
Der folgende Text und alle Bilder dieses Beitrags entstanden in Zusammenarbeit mit Joop!

Abschied nehmen ist eine elegante Art zu bleiben. Damit meine ich Nimmerwiedersehen – als radikale Stilübung – und die damit einhergehende Sentimentalität von Erinnerungen. Aber nicht nur. Abschied ist in vielen Fällen auch Transition, Neupositionierung, Sinneswandel und Ortswechsel. Manchmal auch Rückkehr.

Um genau die soll es hier gehen, so kurz bevor ihr dachtet ich schreibe zwischen den Zeilen.

Aber nicht jeder, der Abschied nimmt, kann es sich leisten zurückzukehren, schon gar nicht nach Hamburg. Das scheint derzeit dennoch eine Tendenz. Viele Berliner Hamburger kommen wieder in ihre Stadt zurück, in diesem Monat sogar das ZEITmagazin und mit Beginn der Sommersaison auch ein großes Stück Hamburger Modegeschichte: Joop!

Weil wir Hamburger nunmal gern um die Alster laufen, bin ich in den letzten Jahren oft genug an der leer stehenden Gründerzeitvilla am Harvestehuder Weg vorbeigejoggt. Immer auf dieser Höhe bekam ich Seitenstiche, die ich mir selbst als mittelschwere Phantomschmerzen diagnostizierte – Erinnerungen in Form von Kampagnenbildern aus den 1990ern, also aus der Zeit, in der Wolfgang Joop seinem Namen ein Ausrufezeichen gab. Seit 2001 hat er nichts mehr mit Joop! zu tun und viele stellten daraufhin die Marke mit Interpunktionszeichen in Frage.

Joop! zog in die Schweiz und wurde Teil der Holy Fashion Group, zu der das Label bis heute gehört. Trotz mutiger Versuche, zurück zur Mode zu finden – 2006 etwa durch Designer Dirk Schönberger – wurde Joop! zum Hersteller wertiger Anzüge, die allen zu passen versuchten.

Seit ein paar Wochen ist Joop! zurück in Hamburg. Die Marke ist wieder im Harvestehuder Weg 22, Ecke Alsterchaussee zu Hause. Newcomer Gregor Langerspacher fährt als neuer Mensweardesigner einen hanseatischen Stil. Im Januar habe ich ihn zum Housewarming kennengelernt. Der Move ist kein rein geographischer – er ist auch in den Kollektionen angekommen. Klare Flächen Stoff, frei von Dekor wie Print-Spielereien, Dunkelblau als Farbcode, Ausrufezeichen statt verspielter Kornblume, Hinwendung zur Funktionsware. Hanseatisch im besten Sinne.

Meine Favoriten aus der Sommerkollektion habe ich nach meinem Treffen mit Gregor Langerspacher in der Villa fotografiert. Willkommen zurück, Joop!

 

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