Sondereinsatz

Kein schlechter Look in Zeiten der Angriffe: die Designer der London Collections Men setzen auf schwarze Uniform

Collage Fabian Hart

Die London Collections Men ist keine Männermodewoche. Sie ist ein verlängertes Wochenende und hält, was sie damit verspricht: Kurzweil. Bis gestern Abend zeigte das wohl jüngste Ensemble der internationalen (Männer-)Mode rund um Covent Garden ihre Herbst-/Winterkollektionen für 2015: fresh, street und smart.

Warum sich Designer wie Christopher Shannon, Astrid Andersen, Nasir Mazhar, Xander Zhou, Shaun Samson und Katie Eary in London so wohl fühlen? Sie haben hier studiert, an den weltbesten Fashion Colleges, dem Central St. Martins, dem London College of Fashion und wurden danach nicht einfach nur sich und ihren Talenten überlassen, sondern Teil aufwendiger Förderprogramme wie Fashion East oder NEWGEN, die nicht nur einmalig, sondern über mehrere Saisons hinweg Jungdesigner unterstützen, ihnen Öffentlichkeit geben und ihre Labels am Leben halten.

Andersens Spitze, Mazhars Jacquard, Earys Prints, Samsons Karo-Hunks: In den letzten Saisons hat sich eine Londoner Männermode entwickelt, die exzentrisch und luxuriös ist und doch street, sportlich und maskulin.

Manchmal zeigen die Londoner Kollektionen untereinander Schnittflächen, das nennt man dann Trends und einer davon sieht ganz schön nach Sondereinsatzkommando aus: Felle, Fallschirmseide, wasserabweisende Lackstoffe, Baretts, Trekking-Equipment, Survival Kits, Schwarz all over.

Kein schlechter Look in Zeiten der Angriffe. Und dabei müssen wir nicht nur radikale Terroristen überleben. Wir müssen auch die unauffälligen Kollegen von nebenan zur Strecke bringen, die ihren Weltschmerz, ihre Angst und Dummheit auf scheinbar Fremde abwälzen. Die durchschnittsdeutschen Anhänger von Pegida/Legida/Hagida/HoGeSa/Bärgida in Herrenschälchen und Softhell-Jäckchen muss man auch unbedingt mal nach London schleifen, damit sie mal aus sich rauskommen. Dort gilt nämlich „The Real Londoners are the Foreigners“, nicht nur unter Designern. Warum denen, die Überfremdung fürchten, nicht in Rüstung begegnen, in einem klaren Schwarz, etwa von Nasir Mazhar. Der hat vor vier Jahren als Designer für Kopfbedeckungen begonnen. Aber jetzt bloß nicht an Helme denken. Sein Klassiker: die Käppi mit Bleistifthalter und das führt uns direkt nach Paris, wo gerade Couture gezeigt. Aber das ist ein anderes Thema.

 

Von links nach rechts und oben nach unten: Nasir Mazhar, Astrid Andersen, Lou Dalton, KTZ

TAGS

SHARING IS CARING

NOCH MEHR HART