10.08.2013 | HART

Sweatshirt

Ein modejournalistischer Kommentar zum Phänomen Schweißfleck

Text Fabian Hart

Wir sind auf einem guten Weg zur vollständigen Entkörperung. Zumindest tun wir so vieles dafür. Nicht nur, dass wir unsere physische Anwesenheit in vielerlei Hinsicht durch digitale Präsenzen ersetzen. Wir arbeiten auch daran, den realen Körper zur Maschine umzubauen. Wir disziplinieren ihn, geben ihm was er für eine effektive Verwandlung benötigt: die richtige Ernährung und Ergänzungsmittel, das perfekte Training, ausreichend Schlaf.

Und doch, trotz erfolgreicher Optimierung, gibt es Dinge, die unseren Körper menscheln lassen. Die meisten Zwischenfälle können wir geheim halten und vor den anderen verstecken. Stuhlgang und Love-Handels zum Beispiel. Für das eine gibt es stille Örtchen, fürs andere Kaschiermode. Ein Phänomen aber, das gerade im Sommer unvermeidbar menschlich ist, ist der Schweißfleck. Er erinnert uns an die eigene Natur und wir schämen uns so sehr, dass wir sie und ihn und uns bekämpfen. Mit Antitranspiranten, Slipeinlagen, Botox. Die einen sind ganz verbissen, andere versuchen klarzukommen, mit dem Unterarm-Schandfleck.

Interessant ist, dass ausgerechnet die Mode ihn an den Tag bringt, die, der man doch Oberflächlichkeit immer wieder unterstellt. Dabei enttarnt sie unsere eigene mit folgender Erkenntnis: Von seinem Schweißfleck peinlich berührt sein, ist sich fürs Menschsein entschuldigen.

 

 

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