Zurück in die Zukunft

Fotos Judith Reimers
Text Fabian Hart

Oktober 2015 – ihr wisst schon, was das bedeutet? Marty McFly landete heute vor drei Jahrzehnten zurück in der Zukunft. Damals war unsere Gegenwart noch eine Zeit, in der Autos endlich fliegen, Skateboards schweben, Uhren das Wetter vorhersagen und Jacken sich automatisch der Körperform anpassen können. Nur eines der Dinge ist heute tatsächlich wahr geworden, aber darum soll es hier gar nicht gehen. Auffällig ist doch, dass der Film vor allem durch Mode Zukunft beschreibt und nicht durch eine neue Sprache oder ein neues Wertesystem. Mode ist das Gefühl für die Zeit, in der wir leben.

Aber wie sieht 2015 wirklich aus?

Dresscodes haben sich nahezu aufgelöst, es gibt kein over- und underdressed mehr, alles geht. Streetwear ist Luxusmode und manchmal kann man High End nicht mehr von High Street unterscheiden, Asos nicht mehr von Saint Laurent. Eine Yogahose kann einen auf Business machen. Funktionswaren, mit denen man Berge besteigen könnte, tragen wir zum Brötchen holen. Das Kufiya-Muster wird als scheinbar unpolitischer Kaschmirschal getragen, als Homewear zu Uggs. In Hamburg tragen Frauen im Oktober Dirndl unter Woolrich-Parkas und Männer Flechtfrisuren über Bomberjacken. Mode 2015 ist eher Stilpluralismus statt der eine Look, im Falle von Zurück In Die Zukunft Future-Gear.

Zeitreiser sind wir trotzdem. Seit Jahren. Wir reisen vor allem gerne zurück, weil ohne Vergangenheit keine Zukunft. Vintage wird als „pre-loved“ promotet, verkauft und ersteigert. Second Hand soll Fast-Fashion-Mode entschleunigen und uns individualisieren, weil sie uns und unsere Innenstädte gleichschaltet. In einer Zeit, in der es scheinbar alles gibt, wird das, was es nicht mehr gibt, zum neuen Luxus. Zwischen Start-Ups, Pop-Ups und dem steten Run nach dem Neuen, ist das Altbewährte begehrlich. Marken mit Geschichte tragen ihre Vergangenheit als Gütesiegel, bedienen sich aus Archiven, statt auf Retro-Looks auszuweichen, also Kleidung, die so tut, als hätte sie es einmal gegeben.

Das Foto bebildert diese Geschichte mit einem aktuellen Beispiel meiner Hamburger Kollegen von CLOSED. Die Jeans auf dem Foto kommt wie Marty McFly aus 1985 und landet dreißig Jahre später zurück in der Zukunft, also heute. Die Pedal Clerk ’85 ist Teil der Archiv ’85-Kollektion und beweist die Geschichte des Hamburger Labels, die noch weiter zurückführt: ich hatte keine Ahnung, dass CLOSED seit 1975 existiert. Mehr dazu, wer CLOSED heute ist, findet ihr unter Let’s Get To Know Each Other auf ihrem YouTube-Channel.

 

 

ClosedArchive

Bildschirmfoto 2015-09-09 um 15.50.45

Mütze, Mantel, Hemd, Rollkragenpullover, Jeans und Gürtel
alles CLOSED

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